Bernina B480 und Zubehör im Test: Obertransportfuß und Geradstichplatte
Meine liebsten Tools für feine Stoffe und Wäsche an dieser Nähmaschine.
Warum ich die Bernina 480 Nähmaschine und zwei Overlocks testen durfte
Wer nicht riskiert um etwas zu bitten, bekommt nichts.
Also habe ich mir im Zuge der Kursvorbereitung meines großen „Basic Wäsche nähen“ online-Kurses im Vorfeld überlegt, wie ich verschiedene Marken und Shops, die ich selber verwende, einbinden könnte. Es sollte zum einen dazu dienen, den Kursteilnehmerinnen durch Kooperationen einen tollen Mehrwert, wie Rabatte bei den Shops zu ermöglichen, und zum anderen mit Maschinen, Materialien und Zutaten zu arbeiten, die Hobbyschneider im Handel auch tatsächlich finden können.
Gesagt, getan. Auf meiner Liste Stand Bernina als Maschinenhersteller als Wunschkandidat, also schrieb ich aufs gerate Wohl eine Mail an den Support und war damit gleich an der richtigen Adresse. Kurze Zeit später durfte ich 3 Maschinen in Empfang nehmen: Die B 480, um die sich dieser Beitrag drehen wird, sowie die Overlock L 460 und die L 860.

Kleine Helferlein für die Bernina Nähmaschinen und Zubehör mit großem Aha (auch für mich und meine Näh-Arroganz)
Ich muss gestehen, ich teste nicht ständig neue Gadgets an meinen Maschinen. Vieles, was so als Zubehör angeboten wird, habe ich jahrelang ignoriert. Schließlich bin ich als Damenschneiderin und Schnittdirectrice jahrzehntelang auch ohne diese Extras wunderbar ausgekommen. Meine Erfahrung und meine Routinen haben mir oft das Gefühl gegeben, dass ich so etwas gar nicht brauche.
Als Bernina mir dann diese beiden Helferlein für die B480 geliefert hat, habe ich mich erst ein bisschen herumgeschlängelt, sie wirklich zu testen. Ein leiser Gedanke von Arroganz war da: „Ach, das brauche ich doch nicht.“ So ähnlich wie damals beim Rollschneider. Den habe ich auch lange belächelt, bis er irgendwann auf meinem Zuschneidetisch lag. Und jetzt? Kaum noch wegzudenken.
Genau so war es auch mit diesen Tools. Kaum ausprobiert, schon überzeugt.
Vor allem für Hobbyschneiderinnen mit wenig Routine können solche Helferlein das Leben an der Nähmaschine vereinfachen und das Ergebnis perfektionieren.
Das ObertransportFuss #50, das kleine Monsterchen ist aber ein ganz zartes!
Der Obertransportfuß von Bernina sieht ein bisschen so aus, als hätte man ihm ein Schneckenhaus verpasst. Er ist deutlich größer als das Standart-Füßchen und fällt durch seinen „stabilen“ Aufbau sofort ins Auge.
Von hinten schiebt sich ein weißer „Kasten“ über den Nähfuß, der ihn wuchtiger wirken lässt, als er tatsächlich arbeitet. Seitlich sieht man die Führungen und Gelenke, die wie kleine Hebelchen aussehen und die Bewegung steuern.
Unten hat er zwei Sohlenflächen, die parallel auf dem Stoff liegen, fast wie kleine Skier. Dadurch packt er den Stoff sicher von oben, ohne zu drücken oder zu blockieren. Wenn man ihn an die Maschine klickt, wirkt es so, als ob ein kleiner Roboterarm bereitsteht, die Arbeit zu übernehmen.
Sein Look täuscht aber ein bisschen: Das Füsschen arbeitet er erstaunlich wendig. Es gleitet nicht nur über glatte Bahnen, sondern schlängelt sich auch durch die engeren Stellen meiner Modelle.

Seine Aufgabe
Er befördert den Stoff nicht nur unten, wie der „normale“ Stofftransport, der an jeder NähMa integriert ist, sondern auch von oben. So laufen selbst widerspenstige Kandidaten wie Lycra, Seide oder die zarten Spitzenstoffe unserer Dessous brav im Gleichschritt durch die Maschine. Besonders spannend finde ich, dass plötzlich auch mehrlagige Partien, die früher gern mal verrutscht sind, viel sauberer liegen. In den Kommentaren unter meinem Vorstellungs-Reel auf Instagram habe ich gelesen, dass auch Muster-Verarbeitung, wie Karo dadurch noch besser gelingen kann.
Mitgeliefert wird ein kleines Arsenal an Zubehör. Ein Kantenlineal für akkurates Absteppen, verschiedene Sohlen für unterschiedliche Projekte und noch ein paar Extras, die das Spektrum erweitern. In diese Ausstattung habe ich mich noch nicht vertieft, aber allein die Grundfunktion macht den Fuß schon zu einem Werkzeug, das ich nicht mehr missen möchte.
Am Projekt getestet
Auf dem Foto siehst du, wie der Obertransportfuß auf einem Falzgummi am Basic Slip aus meinem Schnittmusterset #BasicSlipTrylogie liegt. Die Gummikante fügt sich sauber an den FOS, nichts hat sich verzogen und die Verarbeitung wirkt rundum akkurat.
Besonders überrascht hat mich, wie flach die Absteppnähte bei diesem Lycra-Projekt geworden sind. Im direkten Vergleich mit dem normalen Fuß lagen sie viel gleichmäßiger und glatter. Genau dieser Unterschied hat mich endgültig überzeugt.

Welche Verarbeitung kann das Füsschen begünstigen?
Die Tabelle habe ich fast so aus dem kleinen Handbuch übernommen, das beim Obertransportfuß #50 von Bernina mitgeliefert wird. Mir war es wichtig, das zu erwähnen, denn dieser Fuß eignet sich nicht nur für Lingerie, sondern auch für ganz andere Spielbereiche im Nähzimmer.
| Schlecht gleitende Materialien, z. B.: | Stoffe, die zum Verschieben neigen, z. B.: | Quiltarbeiten, , z. B.: |
|---|---|---|
| Leder | Satin | Outline-Quilten |
| Kunstleder/Lederimitate | Samt/Nicki-Plüsch | Quilten in der Naht |
| Skay | Manchester | Rasterquilten |
| Alcantara | Frottee-Stretch | … |
| Plastifizierte Stoffe | Sport-Helanca/Lycra | |
| … | … |
Hot or Schrott?
Am Ende bleibt für mich vor allem eines hängen: Der Obertransportfuß hat seinen festen Platz an meiner Bernina gefunden. Er nimmt mir nicht die Arbeit ab, aber er macht sie spürbar leichter und die Ergebnisse sichtbar schöner. Gerade bei feinen Stoffen oder Projekten, die früher gerne gezickt haben, habe ich jetzt ein Werkzeug, auf das ich mich verlassen kann. Ein kleines Monsterchen, das mir die Nähwelt ein Stück ruhiger und ordentlicher macht.

Die Geradstichplatte im Test bei k.triny* lingerie
Oder wie ich dachte: die Lochstichplatte, „Logisch, die heißt Lochstichplatte, da ist schließlich nur ein Loch drin.
Die liebe Annabelle von Bernina hat meine Fachausdruckslücke glücklicherweise geschlossen. So kann ich das Teilchen im Stillen weiter Lochstichplatte nennen, weiß aber jetzt ihren Fachbegriff, denn ihre Aufgabe ist es, Geradstiche in höchster Vollendung möglich zu machen.
Was sie kann
Das kleine Loch in der Mitte sorgt dafür, dass der Stoff nicht in den Spulenraum gedrückt werden kann. Für feine Materialien ist das ein riesiger Vorteil. Spitze, hauchdünner Lycra oder Organza gleiten über die Fläche, ohne dass sich etwas verzieht oder verschluckt wird. Besonders bei kurzen Nähten, Mini-Abnähern oder winzigen Verstärkungsnähten spielt die Platte ihre Stärke aus. Es gibt kein Gefummel mehr, kein „Stofffressen“ am Anfang der Naht, sondern einen sauberen Start und ein makelloses Stichbild.
Für welche Stoffe und Stiche eignet sich die Geradstichplatte?
Die Geradstichplatte hilft überall dort, wo feine oder sehr leichte Materialien verarbeitet werden. Spitze, hauchdünner Lycra, Organza oder Seide gleiten durch das kleine Loch ohne die Gefahr, nach unten gezogen zu werden. Aber auch bei stabileren Stoffen lohnt sich der Einsatz, wenn es um präzise Geradnähte geht.
Sie eignet sich nicht nur für den klassischen Geradstich, sondern auch für alle Stiche, die gerade verlaufen, zum Beispiel den 3-fach Steppstich, der bei Unterwäsche und Dessous besonders beliebt ist, um belastbare und Nähte mit einer geringen mechanischen Dehnbarkeit zu erzeugen. Damit wird die Nahtführung sauberer und das Ergebnis noch gleichmäßiger.

Am Projekt getestet
Auf dem Bild siehst du, wie die Nadel bei der Verarbeitung feiner Spitze punktgenau durch das kleine Loch der Geradstichplatte sticht. Genau dort lag für mich der Aha-Moment: Die Naht blieb glatt, der Stoff heil und die Arbeit frustfrei. Besonders bei zarten Gummikanten am Slip oder bei Absteppnähten im Lycra-Projekt habe ich den Unterschied gemerkt. Die Nähte lagen deutlich flacher als mit der normalen Stichplatte, und das hat mich endgültig überzeugt.
Hot or Schrott?
Ganz klar Hot. Die Geradstichplatte mag auf den ersten Blick unscheinbar wirken, ist für mich aber ein echtes Tool mit Mehrwert. Sie bewahrt feine Stoffe vor dem Verschwinden im Spulenraum und schenkt mir saubere Nähte ohne Augenkneifen oder Herzklopfen. Ein kleines Teil, das im Alltag an der Nähmaschine viel Ärger erspart.
Kennst du eigentlich den „ultimativen Overlock Trick?
Wenn du jetzt mit den Lippen oder deinen Gedanken das Wort NEIN geformt hast, dann solltest du schleunigst in meinen Blogbeitrag zum Ultimativen Overlocktrick zum „nie wieder rausnähen“ klicken! Denn dort habe ich einen Trick für dich in Worte gebannt, denn du unbedingt kennen solltest. Und der funktioniert auch super mit den Bernina-Overlocks.

Mein Tipp zum Schluss
So begeistert ich von der Geradstichplatte bin, empfehle ich dir immer, Maschinen und Zubehör selbst auszuprobieren. Nicht jedes Tool passt zu jedem Nähstil und nicht jedes Extra macht für jedes Projekt Sinn. Am besten probierst du in Ruhe aus, welche Helferlein dir die Arbeit wirklich erleichtern und welche vielleicht eher im Schubladenleben landen. Nur so findest du heraus, was in dein persönliches Nähzimmer passt.
Probiere es an deinen Lieblingsprojekten
Am meisten lernst du, wenn du neue Tools direkt an den Projekten ausprobierst, die du am häufigsten nähst. Bei mir ist das Unterwäsche, deshalb teste ich Obertransportfuß und Geradstichplatte vor allem an Lycra, Spitze und Gummis. Vielleicht nähst du aber lieber Taschen, Quilts oder Kleidung. Dann merkst du schnell, ob ein Zubehörteil für dich wirklich den Unterschied macht. So findest du heraus, welche Helferlein dich in deiner eigenen Nähwelt am besten unterstützen.
Probiere die Tools direkt an meinen Schnittmustern aus!
Lust auf noch mehr Nähzubehör?
Der Obertransportfuß und die Geradstichplatte sind zwei kleine Beispiele dafür, wie viel Einfluss das richtige Werkzeug auf deine Nähergebnisse haben kann. Wenn du jetzt neugierig geworden bist, welche Utensilien ich außerdem in meinem Atelier verwende und welche Helferlein mir das Arbeiten mit feinen Stoffen erleichtern, dann lies gleich weiter in meinem Zubehör-Guide:
Nähzubehör für Lingerie, Unterwäsche und Dessous
Dort nehme ich dich Schritt für Schritt mit durch die wichtigsten Basics, von Maßband und Rollschneider bis hin zu kleinen Spezialwerkzeugen, die dir helfen, dein nächstes Projekt noch sauberer und entspannter umzusetzen.







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