Was ist ein Tanga? Warum Tangaslip und Stringtanga beide Tangas sind

Wenn ich dir das #Stringy und #TangaSlippy als Schnittmuster zeige, könntest du erst einmal meinen, die Sache sei ziemlich eindeutig: Der eine ist ein Stringtanga, der andere ein Slip.

Aber was ist eigentlich ein Tanga?

Die Frage klingt für uns beide einfach, oder?. Schließlich haben die meisten von uns sofort irgendein Bild im Kopf von wenig Stoff, schmale Seiten, vermutlich ziemlich viel sichtbarem Popo.

Sobald man allerdings nicht nur Unterwäsche kaufen, sondern einen Tanga selbst nähen oder sogar einen Schnitt verändern möchte, reicht diese Beschreibung nicht mehr aus. Denn ein Tanga wird nicht in erster Linie darüber definiert, wie viel Stoff die Pobacken bedeckt, sondern über seine Konstruktion.

Deswegen können zwei Slips, die von hinten völlig unterschiedlich aussehen, trotzdem beide Tangas sein.

Mein #TangaSlippy ist ein Tangaslip mit deutlich mehr Pobedeckung, mein #Stringy dagegen ist ein Stringtanga mit einem sehr schmalen Steg zwischen den Bäckchen. Trotzdem gehören beide zur selben Familie.

Und zwar, weil Vorderteil und Rückteil bei beiden nicht über die klassische Seitennaht miteinander verbunden werden, sondern weil die seitliche Verbindung über den Bund, beispielsweise über ein Band, ein Gummi oder eine andere schmale Bundkonstruktion entstehet.

Genau dort möchte ich mit diesem Beitrag anfangen. Nicht bei der Frage, wie knapp ein Slip sein darf, sondern bei der Frage:

Wie ist er eigentlich konstruiert?

Was macht einen Tanga zum Tanga?

Bei einem klassischen Slip treffen Vorderhose und Hinterhose meist an der Seite aufeinander. Dort entsteht eine Seitennaht, deren Höhe je nach Modell sehr unterschiedlich sein kann. Sie kann entweder sehr hoch oder auch schmal sein, sie kann aber auch durch Gestaltungselemente der Schnitttechnik gestaltet werden. Trotzdem bleiben Vorderteil und Rückteil an dieser Stelle auf eine Art direkt miteinander verbunden.

Beim Tanga funktioniert die Konstruktion anders. Hier endet das eigentliche Vorderteil beziehungsweise Rückteil, bevor daraus eine klassische Seitennaht entsteht. Verbunden werden beide Teile stattdessen durch den Bund. Das kann beispielsweise ein umlaufendes elastisches Band sein. Es kann ein Gummi sein, eine elastische Bandspitze oder eine andere schmale Verbindung. Damit ist der charakteristische Unterschied zunächst gar nicht auf der Pobacke zu finden.

Er sitzt an der Seite. Und das erklärt auch, warum der Begriff Tanga allein noch relativ wenig darüber aussagt, wie knapp das Rückteil tatsächlich ist.

Ein Tanga kann hinten noch erstaunlich viel Stoff haben oder fast keinen.

#Stringy und #TangaSlippy Schnittmuster für Stringtanga und Tangaslip in Größe 32 bis 58

#TangaSlippy und #Stringy: zwei Tangas, zwei ziemlich unterschiedliche Popos

Genau das kannst du an meinen beiden Schnittmustern ziemlich schön erkennen. Sowohl #TangaSlippy als auch #Stringy werden nach diesem Tanga-Prinzip konstruiert. Vorder- und Rückteil werden über den Bund beziehungsweise die schmale seitliche Verbindung miteinander verbunden. Von hinten könnten die beiden trotzdem kaum unterschiedlicher sein.

#TangaSlippy ist ein Tangaslip

Beim #TangaSlippy bleibt die Hinterhose relativ breit und bedeckt einen guten Teil der Pobacken.

Ich habe dafür irgendwann einmal das Wort PoPortionen benutzt und finde es immer noch ziemlich passend.

Denn gerade bei einem Tangaslip geht es nicht einfach darum, hinten möglichst viel oder möglichst wenig wegzuzeichnen. Entscheidend ist, wo die Kante später auf der Pobacke verlaufen soll und wie diese Linie über unterschiedliche Größen und Proportionen funktioniert.

Beim #TangaSlippy bleibt deshalb ein sichtbares Rückteil bestehen. Die Pobacken werden zu einem großen Teil bedeckt, während die typische Tanga-Konstruktion an der Seite erhalten bleibt.

Er ist also:

Tanga aufgrund seiner Bundkonstruktion und Tangaslip aufgrund seines Rückteils.

#Stringy ist ein Stringtanga

Beim #Stringy wird das Rückteil dagegen deutlich schmaler.

Es verläuft schließlich zwischen den Pobacken und entspricht damit dem, was wir klassischerweise mit einem String verbinden.

Aber auch #Stringy ist ein Tanga.

Genauer gesagt ein Stringtanga.

Das Wort beschreibt eigentlich schon ziemlich gut, was hier zusammenkommt:

Die Tanga-Konstruktion des Bundes trifft auf das sehr schmale Rückteil eines Strings.

Damit haben #Stringy und #TangaSlippy dasselbe konstruktive Grundprinzip, obwohl sie beim Blick von hinten zwei völlig unterschiedliche Antworten auf die Frage geben, wie viel Po in einem Slip stecken darf.

Was ist ein Tanga: Stringtanga und Tangaslip im Vergleich mit unterschiedlicher Pobeerdeckung

Ist ein Tanga also dasselbe wie ein String?

Nein. Und genau hier entsteht häufig die Begriffsverwirrung.

Im Alltag werden Tanga und String gerne synonym benutzt, wie das gute alte Tempo (das eigentlich ein Taschentuch der Marke Tempo ist, zur Erinnerung). Das ist nachvollziehbar, weil viele Tangas oft – aber eben nicht immer – ein sehr knappes Rückteil haben.

Aus meiner Sicht, einer Schnittdirektirce finde ich diese Gleichsetzung allerdings wenig hilfreich, da ich bei einem Tanga zunächst auf seine seitliche beziehungsweise auf die umlaufende Bundkonstruktion schaue und der Begriff automatisch die Form des Rückteils beschreibt.

Deshalb kann ein String ein Tanga sein, muss es aber nicht sein. YOU KNOW?

Aber was ist denn dann ein Thong?

Hier wird die Sache sprachlich weniger eindeutig.

Gerade international werden Begriffe wie Thong, String, G-String, Tanga, Brazilian oder Cheeky keineswegs überall gleich verwendet. Ein Modell, das in einem Shop als Thong verkauft wird, kann in einem anderen Shop durchaus unter einer anderen Bezeichnung auftauchen.

Deshalb würde ich beim Nähen nicht versuchen, jede denkbare Unterwäscheform in eine vermeintlich unumstößliche Begriffsschublade zu pressen.

Für unsere schnitttechnische Betrachtung ist etwas anderes wichtiger:

Welche Konstruktion liegt vor und wo verlaufen die Linien am Körper?

Der Begriff Thong wird häufig für Modelle mit sehr schmalem Rückteil verwendet. Damit beschreibt er zunächst ein anderes Merkmal als dasjenige, das ich hier für den Tanga betrachte.

Wenn du selbst nähst, wird genau diese Unterscheidung viel hilfreicher als die reine Produktbezeichnung.

Schau dir den Bund an.

Schau dir die Verbindung zwischen Vorder- und Rückteil an.

Dann schau dir das Rückteil selbst an.

Plötzlich kannst du sehr viel genauer beschreiben, welches Höschen du eigentlich vor dir hast.

Thong-Slips mit schmaler Linienführung und unterschiedlicher Pobedeckung im Vergleich

Wie viel Po muss ein Tangaslip bedecken?

Dafür gibt es glücklicherweise und auch ziemlich beruhigend keinen magischen Zentimeterwert. Erlaubt ist, was gefällt und schnitttechnisch funktioniert. Schnittkonstruktion funktioniert nämlich selten so, dass bis zu einem bestimmten Punkt Kleidungsstück A entsteht und zwei Millimeter später plötzlich Kleidungsstück B wird. Ein Slip bleibt ein Slip, solange er einen Einstieg und 2 Ausgänge für die Beine aufweist. Formen an sich gehen dnan meist ineinander über.

Das kannst du besonders gut an unterschiedlichen Slipformen beobachten. Wenn du das Rückteil eines normalen Slips Schritt für Schritt schmaler zeichnest, verändert sich die Lage der Kanten auf den Pobacken. Gleichzeitig verändern sich die Beinausschnitte und irgendwann auch die Wahrnehmung des gesamten Modells. Trotzdem wäre es zu einfach, einfach rechts und links ein paar Zentimeter Stoff wegzunehmen.

Denn ein Schnitt ist keine flache Zeichnung eines Kleidungsstückes. Viel mehr schafft er den Raum für deinen Körper.

Die Linien, die wir auf Papier zeichnen, müssen später über deine schönen Rundungen laufen. Das Material muss sich nicht nur bewegen und dehnen können, sondern müsssen auch die Kanten dort bleiben, wo wir sie hin konstruiert haben.

Witzig, dass ein so kleinen Kleidungsstück wie ein Slip so viel leisten muss, damit er bequem und angenehm zu tragen ist.

Roter Tangaslip aus elastischer Spitze mit breitem Spitzenbund in Vorderansicht
Seitliche Ansicht eines roten Tangaslips mit breitem Bund aus elastischer Spitze
Roter Tangaslip aus elastischer Spitze mit breitem Spitzenbund in Vorderansicht

Wie fühlt sich so ein Tanga eigentlich an?

Ob #Stringy oder #TangaSlippy für dein Gefühl angenehmer ist, kann ich dir nicht beantworten. Denn dann müsste es ja den einen richtigen Slip für alle geben, und genau daran glaube ich weder beim Nähen noch bei Körpern.

Manche mögen möglichst wenig Stoff am Popo, andere fühlen sich wohler, wenn ihre Rundungen etwas mehr bedeckt sind. Und dann gibt es Tage, Hosen und Röcke, unter denen plötzlich ein ganz anderes Modell das Rennen gewinnt, wenn du morgens in die Wäscheschublade greifst.

Was ich allerdings beantworten kann: Ein String muss nicht unbequem sein und ein Slip mit viel Pobedeckung ist nicht automatisch bequem. Dafür spielen zu viele andere Dinge mit rein. Ein paar Millimeter an der falschen Stelle, ein Gummi mit ordentlich Zug oder ein Stoff, der zwar elastisch ist, aber kaum zurückspringt, und aus einem guten Schnitt kann ziemlich schnell ein Teil werden, das den ganzen Tag auf sich aufmerksam macht. Das ist bei Unterwäsche selten ein Kompliment.

Stoffe zum Unterwäsche nähen, Elastische Stoffe zum Unterwäsche nähen wie Jersey, Spitze und Wirkware

Die Sache mit dem Material, die never ending Story der Hobbyschneiderinnen.

Stoff, Spitze, Gummi und die Sache mit dem „ein bisschen dehnen“. Den Weg zum Blogbeitrag findest du HIER

Bei den beiden Modellen aus meinem Schnittmustersortiment #Stringy und #TangaSlippy kannst du mit Jersey, Wirkware, elastischer Spitze oder Tüll arbeiten. 30% Elastizität sind hier eine gute Wahl. Und allein durch die Wahl der Stoffart können zwei Slips nach demselben Schnitt schon vollkommen unterschiedlich werden.

Ich liebe es vor allem bei den beiden sehr, dass ich zum einen eine völlige Jersey-Version nähen kann, genau wie eine Bandspitzenversion. Aus schlichtem Jersey wird er eher sportlich, mit einer elastischen Bandspitze und schöner Bogenkante bekommt dasselbe Popöchen plötzlich seinen ganz besonderen Auftritt. Der Schnitt gibt die Form vor, das Material entscheidet mit darüber, wer daraus wird.

Und dann wären da noch die Gummis. In Nähanleitungen begegnet einem gerne der Satz: „Das Gummi beim Annähen leicht dehnen.“

Manche stolpern gerne ein bisschen über dieses leicht. Leicht ist schließlich keine Maßeinheit. Ein sehr weiches Wäschegummi verhält sich anders als ein kräftigeres. Eine feine Spitze braucht etwas anderes als ein kompakter Jersey. Und ein Beinausschnitt reagiert anders auf Zug als ein Bund.

Das heißt nicht, dass Wäsche nähen kompliziert sein muss. Aber es hilft enorm, nicht nur zu wissen, was man macht, sondern irgendwann auch zu verstehen, warum. Das Gummi wird immer auf die Weite der Strecke gedehnt, an die es angenäht werden soll. Nicht darüber hinaus.

Sliptember 2025 Warm-up, Slip Design online

MMm Manchmal passiert beim Nähen etwas Gefährliches …

Du nähst einen Schnitt zum ersten Mal und freust dich, wenn alles passt, beim zweiten denkst du, dass der Beinausschnitt für dich eigentlich etwas höher sein könnte, beim dritten schaust du auf das Rückteil und überlegst, was wohl passiert, wenn du diese Linie ein kleines Stück weiter nach innen ziehst.

Und irgendwann grübelst du darüber, ob du deinen Slip nicht einfach so machen, wie ich ihn haben möchte, aber WIE?

Willkommen in meiner Welt. Das ist genau an dieser Stelle wird aus Nachnähen langsam Gestalten.

Der Tanga ist dafür nur ein Beispiel. Sobald du beginnst, Linien bewusst zu verändern, kannst du aus einem Grundschnitt ganz unterschiedliche Slipformen entwickeln. Denn eine Linie ist nie nur eine Linie. Sie entscheidet darüber, wo Stoff am Körper liegt, welche Rundung er begleitet und welche eben frei bleibt.

Genau darum geht es in meinem Slip Design Online: Du lernst, aus einem Grundschnitt deine eigenen Slip-Ideen zu entwickeln, statt immer nur nach dem nächsten passenden Schnittmuster zu suchen.

Tanga Formen in einer Übersicht ergänzt durch die ebook-Zeichnungen von k.triny* linereie

Zwei Tangas, zwei ziemlich unterschiedliche Antworten

Meine beiden Modelle zeigen das sehr schön.

Der #TangaSlippy ist ein Tangaslip. Seine Tanga-Konstruktion entsteht über die Verbindung von Vorder- und Rückteil am Bund, während hinten deutlich mehr Pobedeckung bleibt.

Der #Stringy folgt demselben Prinzip, bekommt aber ein sehr schmales Rückteil und wird dadurch zum Stringtanga.

Sie kommen aus der gleichen Familie, bringen aber komplett andere andere PoPortionen mit! Scherz!

Beide Schnittmuster gibt es in den Größen 32 bis 58 und auch gemeinsam im Bundle. Falls du jetzt beim Blick auf die beiden schon anfängst zu überlegen, welche Linie du selbst noch verändern würdest, dann bist du eigentlich schon einen Schritt weiter.

Denn genau darum geht es in meinem Slip Design Online: nicht zehn weitere fertige Slipformen zu sammeln, sondern zu verstehen, wie du aus einem Grundschnitt deine eigenen entwickeln kannst. Für mich ist das der absolute Luxus beim Selbernähen. Nicht nur entscheiden zu können, welchen Slip ich tragen möchte, sondern ganz entscheiden zu können, wie er aussehen soll.

Auch für Herren ist der Tanga eine Alternative

Der Tanga ist natürlich kein reines Damenwäsche-Thema. Auch bei Herren kann die knappe Form spannend sein: weniger Material auf der Haut, viel Bewegungsfreiheit und eine Linienführung, die Proportionen sehr schön betonen kann.

Einen k.triny* Herren-Tanga gab es bisher nur in meinen Maßanfertigungs-Kollektionen. Auf meinem Schnittmusterplan steht er aber schon länger.

Gerade im #Sliptember finde ich das übrigens einen schönen kleinen Ausblick: Tanga ist eben nicht automatisch gleich Damenwäsche.

Herrentanga mit gestreiftem Vorderteil und schwarzem elastischem Bund
Herrentanga in Rückansicht mit breiterem Rückteil und schwarzem Bund

Overlock Trick im Video: Am bequemen #TangaSlippy

Hier habe ich noch einen tollen Trick, den du vielleicht nicht kennst. Da ich diesen am #TangaSlippy zeige, passt er perfekt in diesen Bolgbeitrag. Damit du meinen Overlock Trick nicht nur auf den Fotos und im Text nachvollziehen musst, habe ich im anderen Beitrag sogar ein Video für dich vorbereitet.

So kannst du die Technik direkt mitverfolgen und Schritt für Schritt an deiner eigenen Maschine nachmachen und deine Fähigkeiten weiterentwickeln.

HIER geht’s zum Overlock-Trick

Overlock-Trick beim Nähen – Nahaufnahme einer Overlockmaschine mit Stoff unter dem Nähfuß

Hier findest du das nächste Nähprojekt von k.triny* lingerie. Viel Freude beim Ausprobieren!